Schallschutzmaßnahmen gegen Außenlärm

 

Als Schallschutzmaßnahmen gegen Außenlärm kommen Maßnahmen an der Schallquelle (lärmarme Konstruktion von Maschinen und Anlagen, bauliche Maßnahmen, Kapselung usw.), auf dem Ausbreitungsweg (Abstand, Abschirmung) und am Immissionsort (z.B. Schallschutzfenster von Wohnungen) in Betracht. Maßnahmen an der Quelle heißen "aktive" Schallschutzmaßnahmen, Maßnahmen am Immissionsort heißen "passive" Schallschutzmaßnahmen. Abschirmungen können sowohl im Quellenbereich (aktiv) als auch am Immissionsort (passiv) zum Einsatz kommen.
Es wird bei der Auswahl von Schallschutzmaßnahmen üblicherweise nach der Art der Lärmquelle unterschieden. Während bei Gewerbelärm im Genehmigungsverfahren grundsätzlich nur Maßnahmen an der Quelle vorzusehen sind, können bei Verkehrslärm neben aktiven Schallschutzmaßnahmen auch passive Schallschutzmaßnahmen erforderlich werden.

 

Gemäß 16. Durchführungsverordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Verkehrslärmschutz-Verordnung) sind bei der wesentlichen Änderung von Verkehrswegen gebietsabhängige Immissionsgrenzwerte einzuhalten. Werden diese Immissionsgrenzwerte überschritten, entsteht ein Anspruch auf Kostenerstattung für passive Schallschutzmaßnahmen (üblicherweise Schallschutzfenster und fensterunabhängige Lüftungseinrichtungen). Die Bedingungen, Art und Höhe der Erstattung wird in der 24. Durchführungsverordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz geregelt.
Rückt Wohnbebauung an Verkehrswege heran, sollen gemäß DIN 18005 "Schallschutz im Städtebau" s.g. "Orientierungswerte" eingehalten werden. Ist dies nicht möglich, so ist bei der Planung der erforderliche Schallschutz zu berücksichtigen. Dies gilt auch für im Ausnahmefall an gewerbliche Nutzung heranrückende Wohnbebauung.

 

Als passive Schallschutzmaßnahmen kommen in Betracht
-    günstige Anordnung der Gebäude (Orientierung zu Verkehrswegen, Nutzung von vorhandenen Abschirmungen, Abschirmung empfindlicher Nutzung durch Gebäude mit unempflindlicher Nutzung)
-    günstige Grundrissgestaltung (Aufenthaltsräume möglichst von der Lärmquelle abgewandt)
-    Schallschutzfenster (Hier muss die erforderliche Lüftung berücksichtigt werden, bei Schlafräumen ist häufig eine fensterunabhängige Lüftungseinrichtung vorzusehen.)
-    Wintergärten können für den Schallschutz von Wohnräumen genutzt werden.

 

 

Schalltechnische Anforderungen im Wohnungsbau – DEGA Empfehlung 103

 

Heute gültig ist das am 1. Oktober 2018 bauaufsichtlich eingeführte Normblatt DIN 4109-1 'Schallschutz im Hochbau - Mindestanforderungen', Ausgabe 2016. Ein erhöhter Schallschutz oder mehrere Stufen des Schallschutzes werden nicht angegeben. Da in der Praxis jedoch eine weitere Abstufung gewünscht und erwartet wird, hat die deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA) innerhalb des Fachausschusses Bau- und Raumakustik eine DEGA-Empfehlung erarbeitet, die ein mehrstufiges Konzept für den Schallschutz im Wohnungsbau beschreibt. Ziel dieses Konzeptes ist es einerseits eine schalltechnische Einstufung von bestehenden Wohnungen zu ermöglichen und andererseits im Bereich von Neubauten die bedarfsgerichtete Planung und Realisierung einen über den Mindestschallschutz nach DIN 4109 hinausgehenden Schallschutzes zu ermöglichen. Dem 'akustischen Laien' wird anhand übersichtlicher und einfacher verbaler Beschreibungen die Möglichkeit eröffnet seine Erwartungen an seinen persönlichen Schallschutz gegenüber seinen Nachbarn einzuschätzen.

Neu an dem Konzept der DEGA ist, dass keine Unterscheidung mehr zwischen Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern getroffen wird, weil diese traditionelle Unterscheidung in den letzten Jahren zunehmend verschwunden ist. Die Unterschiede im Schallschutz werden klar herausgearbeitet und sind für den Verbraucher eindeutig erkennbar. So wird deutlich mehr Transparenz geschaffen und der Vergleich zwischen Wohnungen oder Häusern wird möglich. Die Einstufung wird ähnlich dem Energieausweis in mehreren Stufen (A*-A-B-C-D-E-F) erfolgen und damit ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einem zukünftigen Gebäudepass geschaffen.

Die DEGA-Empfehlung kann als Entwurf (pdf-Dokument) von der Homepage der DEGA (www.dega-akustik.de) direkt hier heruntergeladen werden.

 

Austausch von Bodenbelägen

 

Wenn in einer Wohnung der Teppichbelag durch einen Parkettbelag oder einen Fliesenbelag ersetzt werden soll, ist zu beachten, dass der Trittschallschutz der angrenzenden Wohnungen nicht verschlechtert werden darf.


Falls ein schwimmender Estrich vorhanden ist, wird durch den Austausch des Bodenbelags keine signifikante Änderung der Trittschalldämmung eintreten. Falls jedoch kein schwimmender Estrich oder kein mangelfreier schwimmender Estrich vorhanden ist, wird sich die Trittschalldämmung durch das Einbringen eines neuen Belags verschlechtern.


In den 70er Jahren sind viele Mehrfamilienhäuser ohne schwimmende Estriche erstellt worden, weil die erforderliche Trittschalldämmung mit Teppichbelägen realisiert wurde. Wenn heute der Teppichbelag durch Parkett ersetzt wird, tritt eine erhebliche Verschlechterung des Trittschallschutzes der benachbarten Wohnungen ein.


Daher ist es angezeigt, vor dem Einbringen eines neuen Belags zu klären, ob ein geeigneter schwimmender Estrich vorhanden ist. Sollte dies nicht der Fall sein, muss durch geeignete zusätzliche bauliche Maßnahmen sichergestellt sein, dass keine Verschlechterung der schalltechnischen Situation gegenüber dem ursprünglichen Zustand eintritt. Häufig reicht bereits eine unter den Hartbelag eingebrachte, schalltechnisch geeignete Dämmschicht aus, um den ursprünglichen Zustand nicht zu verschlechtern.

 

 

 

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