Schalltechnische Anforderungen im Wohnungsbau – DEGA Empfehlung 103

 

Heute gültig ist das am 1. Oktober 2018 bauaufsichtlich eingeführte Normblatt DIN 4109-1 'Schallschutz im Hochbau - Mindestanforderungen', Ausgabe 2016. Ein erhöhter Schallschutz oder mehrere Stufen des Schallschutzes werden nicht angegeben. Da in der Praxis jedoch eine weitere Abstufung gewünscht und erwartet wird, hat die deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA) innerhalb des Fachausschusses Bau- und Raumakustik eine DEGA-Empfehlung erarbeitet, die ein mehrstufiges Konzept für den Schallschutz im Wohnungsbau beschreibt. Ziel dieses Konzeptes ist es einerseits eine schalltechnische Einstufung von bestehenden Wohnungen zu ermöglichen und andererseits im Bereich von Neubauten die bedarfsgerichtete Planung und Realisierung einen über den Mindestschallschutz nach DIN 4109 hinausgehenden Schallschutzes zu ermöglichen. Dem 'akustischen Laien' wird anhand übersichtlicher und einfacher verbaler Beschreibungen die Möglichkeit eröffnet seine Erwartungen an seinen persönlichen Schallschutz gegenüber seinen Nachbarn einzuschätzen.

Neu an dem Konzept der DEGA ist, dass keine Unterscheidung mehr zwischen Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern getroffen wird, weil diese traditionelle Unterscheidung in den letzten Jahren zunehmend verschwunden ist. Die Unterschiede im Schallschutz werden klar herausgearbeitet und sind für den Verbraucher eindeutig erkennbar. So wird deutlich mehr Transparenz geschaffen und der Vergleich zwischen Wohnungen oder Häusern wird möglich. Die Einstufung wird ähnlich dem Energieausweis in mehreren Stufen (A*-A-B-C-D-E-F) erfolgen und damit ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einem zukünftigen Gebäudepass geschaffen.

Die DEGA-Empfehlung kann als Entwurf (pdf-Dokument) von der Homepage der DEGA (www.dega-akustik.de) direkt hier heruntergeladen werden.

 

Austausch von Bodenbelägen

 

Wenn in einer Wohnung der Teppichbelag durch einen Parkettbelag oder einen Fliesenbelag ersetzt werden soll, ist zu beachten, dass der Trittschallschutz der angrenzenden Wohnungen nicht verschlechtert werden darf.


Falls ein schwimmender Estrich vorhanden ist, wird durch den Austausch des Bodenbelags keine signifikante Änderung der Trittschalldämmung eintreten. Falls jedoch kein schwimmender Estrich oder kein mangelfreier schwimmender Estrich vorhanden ist, wird sich die Trittschalldämmung durch das Einbringen eines neuen Belags verschlechtern.


In den 70er Jahren sind viele Mehrfamilienhäuser ohne schwimmende Estriche erstellt worden, weil die erforderliche Trittschalldämmung mit Teppichbelägen realisiert wurde. Wenn heute der Teppichbelag durch Parkett ersetzt wird, tritt eine erhebliche Verschlechterung des Trittschallschutzes der benachbarten Wohnungen ein.


Daher ist es angezeigt, vor dem Einbringen eines neuen Belags zu klären, ob ein geeigneter schwimmender Estrich vorhanden ist. Sollte dies nicht der Fall sein, muss durch geeignete zusätzliche bauliche Maßnahmen sichergestellt sein, dass keine Verschlechterung der schalltechnischen Situation gegenüber dem ursprünglichen Zustand eintritt. Häufig reicht bereits eine unter den Hartbelag eingebrachte, schalltechnisch geeignete Dämmschicht aus, um den ursprünglichen Zustand nicht zu verschlechtern.

 

 

 

Wenn die Waschmaschine lärmt

 

Die Benutzung von Waschmaschinen im Wohnbereich ist weit verbreitet, möchte man doch nur ungern in den gemeinsamen Waschraum im Keller gehen. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen mag muss manchmal mühsam erstritten werden.

Es gibt inzwischen mehrere Urteile die bestätigen, dass die Benutzung von Waschmaschinen und Trockner innerhalb von Wohnungen vom Vermieter nicht untersagt werden darf. Das mag juristisch richtig sein, hat jedoch neben der Bequemlichkeit durch den kurzen Weg zur Waschmaschine auch weitreichende Konsequenzen für die Nachbarn. Die Geräusche von Waschmaschinen werden typischerweise in den angrenzenden Nachbarwohnungen wahrgenommen. Nicht besonders laut, aber mitunter nervig und durchaus störend führen die Geräusche oftmals zu Beschwerden der Nachbarn. Hierzu gibt es Gerichtsentscheidungen die bestätigen, dass diese Geräusche als so genannter sozial adäquater Lärm hinzunehmen ist. Auch dies mag juristisch richtig sein, dennoch ist die Betrachtung der schalltechnischen Hintergründe interessant. Die konzentrierte Aufstellung von Waschmaschinen und Wäschetrocknern in einem Gemeinschaftswaschraum bietet die Möglichkeit durch gezielte bauliche Maßnahmen den Lärm im Waschraum zu belassen. Alle Wohnungen im Gebäude bleiben zumindest von diesen Geräuschen verschont, bei richtiger Dimensionierung auch die direkt oberhalb gelegene Wohnung. Verteilt man die Waschmaschinen und Wäschetrockner auf alle Wohnungen im Gebäude verteilt sich auch der Lärm von den Maschinen gleichmäßig und alle Bewohner sind abhängig von den Grundrisssituationen mehr oder weniger betroffen.

Meist liegen die Geräusche innerhalb zulässiger Grenzen, das hilft jedoch den Betroffenen insbesondere in den ruhigeren Abendstunden wenig. Da besondere bauliche Maßnahmen im Wohnbereich weder üblich, noch mit akzeptablem Aufwand durchführbar sind ist hier wenig Abhilfe zu erwarten. Letztlich kann nur empfohlen werden, rechtzeitig die Problematik zu erkennen und dann zu entscheiden, ob kurze Wege zur Waschmaschine im eigenen Wohnbereich oder mehr Ruhe (zumindest vor Waschmaschinen) in den Abendstunden die höhere Wohnqualität bedeuten. Das kann individuell sehr unterschiedlich sein, deshalb ist hier eine allgemeingültige Empfehlung kaum möglich.

 

 

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