Die Zahl der jährlichen weltweiten Flüge nahm in den Jahren vor der Corona-Krise fortlaufend zu. Waren es im Jahr 2014 noch ca. 37 Millionen, stieg die Zahl auf 47 Millionen im Jahr 2019. Damit einher ging auch eine steigende Anzahl von Beschwerden über den Lärm, hervorgerufen durch den Flugverkehr. Die Presse titelte: „Anwohner genervt von vielen Jets über der Stadt“ oder „Flughafen München: Zahl der Lärmbeschwerden steigt“. Mit dem Aufkommen der weltumspannenden Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus gingen die weltweiten Flüge auf ca. 22 Millionen im Jahr 2020 zurück.

Nun stellt sich die Frage, wie sich das gesunkene Flugaufkommen tatsächlich auf die Lärmbelastung auswirkt. Rund um den Münchener Flughafen gibt es insgesamt 16 Messstellen, an denen unter anderem äquivalente Dauerschallpegel für die Tag- und Nachtzeit kontinuierlich ermittelt werden. Diese Daten können online abgerufen werden und liegen derzeit bis einschließlich Oktober 2020 vor. In den unten aufgeführten Grafiken sind exemplarisch für die drei Messstellen Attaching (ATT), Eitting (EIT) und Pulling (PLG) die Tag- und Nachtwerte für die Monate Januar bis Oktober für die Jahre 2019 und 2020 gegenübergestellt.

Es ist festzustellen, dass je nach Messstelle nach Beginn des ersten Lockdowns Ende März 2020 der Schallpegel im April 2020 tags um 16…26 dB und nachts um 10…14 dB im Vergleich zum Jahr 2019 gesunken ist. Nach den ersten Lockungen Anfang Mai 2020 ist ein Wiederanstieg des Schallpegels zu beobachten, jedoch erreichte dieser aufgrund der sehr eingeschränkten Reisemöglichkeiten nicht mehr das Niveau des Vorjahres. Vom August bis September 2020 lag der Schallpegel tags um 6…17 dB und nachts um 5…11 dB niedriger als im Jahr 2019. Das entspricht einer Reduktion um 2/3 der gemittelten Lautstärke gegenüber dem Jahr 2019.

Wie sich das Flugaufkommen zukünftig verändert, bleibt abzuwarten. Interessant ist diesbezüglich noch ein Blick auf den Anteil Geschäftsreisender und Privatreisender. Im Jahr 2019 waren ca. 36 % der Passagiere am Flughafen München geschäftlich unterwegs. Eines steht fest: Der durch Corona ausgelöste Wandel im digitalen Arbeiten (Homeoffice, Video-Konferenzen) wird diese Zahl wohl deutlich verändern.

Unberührt davon bleibt das Störpotential eines einzelnen, vorbeifliegenden Flugzeugs unverändert hoch.