Vuvuzela

Eigentlich gehört die Vuvuzela zu den Blechblasinstrumenten. Inzwischen ist die konische, bis zu einem Meter langen Röhre, die an ihrem schmalen Ende ein trichterförmiges Mundstück hat, aus Kunststoff gefertigt. So ist sie preisgünstiger herzustellen beispielsweise für kostenbewusste Fußballfans, die ihr meist den Grundton der Naturtonreihe entlocken und das mit sehr hoher Lautstärke.

Wenn sehr viele Vuvuzelas im Einsatz sind, ist ihr Klang unverwechselbar. Auch wenn durch Corona etwas in Vergessenheit geraten, jeder wird den Klang der Vuvuzelas noch in den Ohren haben, wenn er an große Fußballspiele denkt, ganz besonders an die Weltmeisterschaften. Es ist der Klang eines Bienenschwarms oder der von einem Formel-1-Start oder auch der Trompetenlaut eines Elefanten.

 

Was so nett klingt und sich aus der Ferne oder am Fernseher nur erahnen lässt, ist leider Realität, die Blasinstrumente sind unglaublich laut. In den Medien scheint eine Quelle die andere übertreffen zu wollen, mal ist von 100 dB die Rede, dann von 110 dB, es finden sich sogar Angaben von 130 dB.

 

Technisch ist das alles ohne jede Aussagekraft, denn es gibt eigentlich nur zwei sinnvolle Wege den Schallpegel zu beschreiben:

 

1) Schall-Leistungspegel LWA in dB(A)

2) Schalldruckpegel L in dB(A) und Angabe der Entfernung in der der Pegel gemessen wurde

 

Das gilt übrigens nicht nur für Vuvuzela’s sondern für jedes Gerät, Maschine, Fahrzeug o.ä. dessen Schallpegel angegeben werden soll.

 

Der Schallpegel, der mit den Vuvuzela’s erzeugt werden kann hängt auch vom Geschick und dem Luftvolumen des Bläsers ab, aus eigenen Messungen wurde ein Pegel von L = 129 dB(A) in einem Abstand von 10 cm, 109 dB(A) in 1 m Entfernung und damit einem Schall-Leistungspegel von LWA = 120 dB(A) ermittelt.

 

Das ist aus akustischer Sicht ein sehr hoher Pegel! Berücksichtigt man, dass gemäß Lärm- und Vibrations- Arbeitsschutzverordnung beim Erreichen oder Überschreiten eines Tages-Lärmexpositionspegels von 85 dB(A) bezogen auf eine 8 Stundenschicht, der Arbeitgeber dafür sorgen muss, dass die Beschäftigten einen persönlichen Gehörschutz verwenden, so wird deutlich, dass man gut beraten ist die Stadien und Public-Viewing-Flächen nur mit Gehörschutz zu betreten!

 

 

Würde im Abstand von einem Meter ununterbrochen eine Vuvuzela ertönen, so wäre bereits nach ca. 1 (!) Minute mit Gehörschäden zu rechnen. Nachdem diese Instrumente offensichtlich sehr gesellig sind und meistens zu mehreren dutzend wenn nicht Hundert und in den Stadien sogar zu mehreren Tausend erklingen, ist wohl schon vor Anpfiff des Spiels, sofern wir Coronabedingt wieder in die Stadien dürfen, die Tagesdosis nach Lärm- und Vibrations- Arbeitsschutzverordnung überschritten.

 

Deshalb muss aus akustischer Sicht dringend davor gewarnt werden, dem Nachbarn direkt ins Ohr zu blasen und beim Besuch von Veranstaltungen mit vielen Vuvuzela’s sollte der Gehörschutz in der Tasche nicht fehlen!

 

Trotzdem viel Spaß beim Zuschauen, das hoffentlich bald auch wieder live möglich sein sollte (auch wenn wir zu dem Gehörschutz dann noch den Mundschutz tragen müssen und für die Vuvuzelas noch ein entsprechender Spuckschutz entwickelt werden müsste).