Wie wird Lärm/Schall gemessen?

 

 

Wenn schnelle Druckschwankungen Luftteilchen in Bewegung setzen, nehmen wir dies als Schall unterschiedlicher Lautstärke war. Die Lautstärke hängt vom Schalldruckpegel ab. Der Schalldruckpegel wird in Dezibel (Zehntel Bel) gemessen und als 'dB' abgekürzt. Der in Dezibel angegebene Schalldruck ist eine logarithmische Größe, deshalb können die Zahlenwerte nicht einfach addiert werden. Wenn beispielsweise zwei Geräusche (z.B. Autos) jeweils 60 dB laut sind, so sind beide zusammen nicht 120 dB, sondern 63 dB laut. Zehn Autos wären dann 70 dB laut, würden demnach den Pegel um 10 dB erhöhen.
Das menschliche Gehör funktioniert leider nicht linear, aber auch nicht logarithmisch. Bei hohen Lautstärken wird erst eine Pegelerhöhung um 10 dB als Laustärkeverdopplung wahrgenommen, bei geringeren Lautstärken (z.B. Geräusche aus Nachbarwohnungen) werden bereits Pegelerhöhungen von nur 3…4 dB als Lautstärkeverdopplung wahrgenommen. Dies gilt auch in umgekehrter Richtung: Möchte man die wahrgenommene Lautstärke des Autoverkehrs auf die Hälfte reduzieren, so muss man die Anzahl der Autos auf ein Zehntel reduzieren.



Als Lärm werden Geräusche (Schall) bezeichnet, die wir als störend empfinden.



Weil wir sehr hohe und sehr tiefe Töne subjektiv als leiser empfinden, als Töne mit mittlerer Tonhöhe, wird bei Schallmessungen eine Frequenzbewertung, die so genannte A-Bewertung berücksichtigt, die Schallpegel werden dann in dB(A) angegeben. Insbesondere tiefe Töne können jedoch häufig sehr störend wahrgenommen werden und werden durch die A-Bewertung nicht gehörrichtig bewertet, deshalb gibt es spezielle Bewertungsverfahren zur Beurteilung tiefer Töne.



In der folgenden Tabelle sind einige Geräusche und ihre Schallpegel in üblichem Abstand von der Geräuschquelle dargestellt:

 

Spielzeugpistole am Ohr 140 dB(A)
Düsenflugzeug beim Start 130 dB(A)
MP3-Player (hohe Laustärke) 110 dB(A)
Spielzeugpistole 110 dB(A)
Diskothek 100 dB(A)
Lkw 95 dB(A)
Rasenmäher 80 dB(A)
Gebirgsfluss 70 dB(A)
Zimmerlautstärke 65 dB(A)
Kühlschrank 40 dB(A)
Toilettenspülung des Nachbarn 30 dB(A)
leichter Wind 20 dB(A)

 

Die Tabelle soll nur einen kleinen Überblick geben, natürlich sind die tatsächlichen Schallpegel am Ohr entscheidend vom Abstand zur Schallquelle abhängig.

 

Übrigens lassen sich mit heutigen Smartphones und der richtigen Software (nach SPL oder RTA suchen) recht ordentlich Schallpegel im Bereich zwischen 40 ... 100 dB(A) messen. Bei geringeren und höheren Pegeln reicht meist die Qualität der Mikrofone nicht aus aber als Anhaltswert ist dies oft ausreichend.

 

Lärm von nebenan

 

 

Nächtliches Duschen, spielende Kinder, bellende Hunde oder laute Hausarbeit führen häufig zu Lärmbelästigungen in Mehrfamilienhäusern. Aber welcher Lärm ist vertretbar und welcher nicht?

Juristen sehen es folgendermaßen: Es hängt in erster Linie von der Tageszeit ab. Grundsätzlich sind die Ruhezeiten im Mietvertrag oder in der Hausordnung geregelt, ansonsten greifen die Immissionsschutzgesetze der Bundesländer. An Sonn- und Feiertagen darf es nicht zu laut werden und generell gilt die Nachtruhe ab 22:00 Uhr, entweder bis 06:00 oder 07:00 Uhr. Oft ist zudem in Mietverträgen zusätzlich eine Mittagsruhe, häufig zwischen 12:00 und 14:00 Uhr oder zwischen 13:00 bis 15:00 Uhr vorgeschrieben. Innerhalb der genannten Ruhezeiten müssen sich die Bewohner von Mehrfamilienhäusern so verhalten, dass keine Geräusche zum Nachbarn dringen, vermeidbarer Lärm ist also zu vermeiden. Die Betätigung der Toilettenspülung oder nächtliches Duschen eines Spätschichtarbeiters ist nicht verboten, Staubsaugen oder der Betrieb einer Waschmaschine sind jedoch zu vermeiden. Außerhalb der Ruhezeiten darf es lauter werden solange sich die verursachten Geräusche im normalen Rahmen bewegen. Die so genannte Zimmerlautstärke ist einzuhalten. Übliche Schalldruckpegel im Senderaum liegen zwischen 60 dB(A) und 75 dB(A). Was als "normal" empfunden wird regelt kein Gesetz. Eine Orientierung bieten allenfalls Gerichtsentscheidungen, die jedoch in aller Regel nur für den jeweiligen Fall gelten.

Zudem wird häufig das Spielen von Musikinstrumenten aus der Nachbarwohnung gerügt. Das Üben von Musikinstrumenten in nachbarschaftlicher Umgebung ist eindeutiger geregelt, die Qualität der Darbietung ist dabei unerheblich. Es spielt also keine Rolle ob Dilettanten oder Künstler am Werk sind. Die Ruhezeiten sind einzuhalten. Außerhalb dieser Ruhezeiten darf zudem nicht beliebig lange gespielt werden. Beispielsweise hat das Landgericht Nürnberg-Fürth entschieden, dass beim Schlagzeug 45 bis 90 Minuten täglich angemessen sind, ausgenommen ist der Sonntag.

Anders sieht es bei Berufsmusikern aus. Hier wird regelmäßig davon ausgegangen, dass eine gewerbliche Nutzung der Nachbarwohnung vorliegt und die Immissionsrichtwerte der TA Lärm einzuhalten sind.

Grundsätzlich sind in Mehrfamilienhäusern immer Geräusche eines Nachbarn wahrzunehmen. Orientierende Beschreibungen der subjektiven Wahrnehmbarkeit von üblichen Geräuschen aus benachbarten Wohneinheiten enthält die Tabelle 13 der DEGA Empfehlung 103. Hier kann sich auch ein Laie einen recht guten Eindruck verschaffen, was aus Nachbarwohnungen üblicherweise gehört werden kann.

 

 

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