Lärm von nebenan

 

 

Nächtliches Duschen, spielende Kinder, bellende Hunde oder laute Hausarbeit führen häufig zu Lärmbelästigungen in Mehrfamilienhäusern. Aber welcher Lärm ist vertretbar und welcher nicht?

Juristen sehen es folgendermaßen: Es hängt in erster Linie von der Tageszeit ab. Grundsätzlich sind die Ruhezeiten im Mietvertrag oder in der Hausordnung geregelt, ansonsten greifen die Immissionsschutzgesetze der Bundesländer. An Sonn- und Feiertagen darf es nicht zu laut werden und generell gilt die Nachtruhe ab 22:00 Uhr, entweder bis 06:00 oder 07:00 Uhr. Oft ist zudem in Mietverträgen zusätzlich eine Mittagsruhe, häufig zwischen 12:00 und 14:00 Uhr oder zwischen 13:00 bis 15:00 Uhr vorgeschrieben. Innerhalb der genannten Ruhezeiten müssen sich die Bewohner von Mehrfamilienhäusern so verhalten, dass keine Geräusche zum Nachbarn dringen, vermeidbarer Lärm ist also zu vermeiden. Die Betätigung der Toilettenspülung oder nächtliches Duschen eines Spätschichtarbeiters ist nicht verboten, Staubsaugen oder der Betrieb einer Waschmaschine sind jedoch zu vermeiden. Außerhalb der Ruhezeiten darf es lauter werden solange sich die verursachten Geräusche im normalen Rahmen bewegen. Die so genannte Zimmerlautstärke ist einzuhalten. Übliche Schalldruckpegel im Senderaum liegen zwischen 60 dB(A) und 75 dB(A). Was als "normal" empfunden wird regelt kein Gesetz. Eine Orientierung bieten allenfalls Gerichtsentscheidungen, die jedoch in aller Regel nur für den jeweiligen Fall gelten.

Zudem wird häufig das Spielen von Musikinstrumenten aus der Nachbarwohnung gerügt. Das Üben von Musikinstrumenten in nachbarschaftlicher Umgebung ist eindeutiger geregelt, die Qualität der Darbietung ist dabei unerheblich. Es spielt also keine Rolle ob Dilettanten oder Künstler am Werk sind. Die Ruhezeiten sind einzuhalten. Außerhalb dieser Ruhezeiten darf zudem nicht beliebig lange gespielt werden. Beispielsweise hat das Landgericht Nürnberg-Fürth entschieden, dass beim Schlagzeug 45 bis 90 Minuten täglich angemessen sind, ausgenommen ist der Sonntag.

Anders sieht es bei Berufsmusikern aus. Hier wird regelmäßig davon ausgegangen, dass eine gewerbliche Nutzung der Nachbarwohnung vorliegt und die Immissionsrichtwerte der TA Lärm einzuhalten sind.

Grundsätzlich sind in Mehrfamilienhäusern immer Geräusche eines Nachbarn wahrzunehmen. Orientierende Beschreibungen der subjektiven Wahrnehmbarkeit von üblichen Geräuschen aus benachbarten Wohneinheiten enthält die Tabelle 13 der DEGA Empfehlung 103. Hier kann sich auch ein Laie einen recht guten Eindruck verschaffen, was aus Nachbarwohnungen üblicherweise gehört werden kann.

 

 

Raumakustik in Kirchen und anderen religiösen Stätten

 

 

Die Möglichkeiten musikalischer Aufführungen sind eng mit der Raumakustik in den Aufführungsräumen verknüpft. Insbesondere in Kirchen oder vergleichbaren religiösen Räumen trifft man häufig auf eine sehr große Halligkeit, die Nachhallzeiten sind sehr lang. Dies erschwert zum einen die Sprachverständlichkeit und die Aufführungen modernerer Musik. Hierbei muss moderne Musik noch nicht einmal Gospel oder Popmusik bedeuten, auch für Bach'sche Musik oder vergleichbare Stücke sind die Aufführungsräume oftmals zu hallig.

 

Mit Hilfe moderner Beschallungsanlagen, die richtig dimensioniert und eingemessen sind, lässt sich heute auch in halligen Umgebungen eine gute Sprachverständlichkeit erreichen. Bei der Musik ist dies häufig deutlich schwerer. Die Raumakustik in Kirchen weist sehr große Unterschiede auf, so sind beispielsweise evangelische Kirchen tendenziell weniger hallig als katholische Kirchen, noch geringere Nachhallzeiten weisen manche freikirchlichen Gotteshäuser auf.

Zu diesem Thema lief ein interessanter Beitrag im "Notizbuch" im Hörfunk in Bayern 2: Beitrag anhören

 

 

 

LKW-Stellplätze in Wohngebieten

 

 

In Zeiten knapper Arbeitsplätze und großer Sparzwänge hat sich ein Mittel zur Personalkosteneinsparung breit gemacht - die Überführung von Angestellten in die (Schein)-selbständigkeit. Besonders auffällig ist dieser Trend im Bereich der Logistikunternehmen. Wo früher ein Kraftfahrer bei einem Unternehmen angestellt war, ist er heute oft mit selbst angemieteten Lkw sein eigener Unternehmer - und fährt häufig die gleichen Routen im Unterauftrag für seinen ehemaligen Chef.
Bisher von gesetzgeberischer Seite wenig beachtet sind die Auswirkungen auf den Immissionsschutz. Hatte der betreffende Lkw früher seinen Standplatz im Lkw-Hof des Logistik-Unternehmens, steht er heute, wenn er nicht unterwegs ist, meist geparkt auf öffentlichen Verkehrswegen. Besonders an Sonn- und Feiertagen trifft man in Dörfern und Wohngebieten oft in unmittelbarer Nähe von Wohnungen geparkte 40-Tonner an. Aus schallschutztechnischer Sicht ist es hierbei problematisch, dass diese Fahrzeuge zumeist irgendwann in der Nachtzeit, also nach 22.00 Uhr, nach Ende des sonntäglichen Fahrverbotes auf die Strecke gehen - für die Anwohner eine erhebliche Störung der Nachtruhe.
Eigentlich müsste der regelmäßige Wochenend-Parkplatz eines Lkw analog zu einem Betriebsgrundstück beurteilt werden, d.h. alle Fahr-, Park- und Ladevorgänge wären als Gewerbelärm gemäß TA Lärm (Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz) an Hand der dort vorgegebenen Immissionsrichtwerte und zulässigen Maximalpegel tags und nachts zu beurteilen. Andererseits kann normales Parken eines Lkw im öffentlichen Verkehrsraum nicht generell verboten werden. Es kommt also auf die Beurteilung des Einzelfalles an.
Als Kriterium, dass die Zulässigkeit der Nutzung des öffentlichen Verkehrsraumes zum Parken überschritten wird, gilt derzeit beispielsweise die Ausführung von größeren Reparaturarbeiten, Durchführung von Ladetätigkeiten und das Laufenlassen geräuschintensiver Standheizungen oder Kühlaggregate.

 

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